Jugendliche

 

Univ. Prof. Dr. med. Marguerite Dunitz-Scheer schreibt hierzu :

Nach dem Motto: „Pubertät ist, wann die Eltern schwierig werden“ hat man oft keine
Probleme, den Jugendlichen kennen zu lernen und sich in seine Not einzufühlen. Das Problem
liegt nun darin, den Jugendlichen  zu begleiten ohne in eine Koalition mit oder
gegen seine Eltern einzutreten, von denen er sich aber letztlich lösen muß.

Lösen kann sich aber nur, wer vorher geliebt und gebunden war. Wie kann man aber für diese aus dem Blickwinkel des Jugendlichen absurden, fernen und völlig altmodischen Eltern Liebe
empfinden? Oft hat es dieses Gefühl seit Jahren nicht mehr oder noch gar nie gegeben.

Psychotherapie in der Pubertät gleicht oft einem Seiltanz über dem Abgrund; Nähe und
Distanz wechseln ständig. Die Heftigkeit der pubertären Gefühlsstürme kennt
kaum Grenzen. Ist der Therapeut „zu nah“, wird er als „Psychoschleimer“ abgewehrt.

Er kommt dann gar nicht heran, hat er keine Chance, sich aus dem Urwald der pseudocoolen, doofen und unnahbaren Erwachsenen herauszulösen. Gibt er den Eltern freundlich die Hand oder spricht er gar einige nette Worte, ist er ein Verräter.

Jede therapeutische Reise mit  Jugendlichen ist eine Reise in die Zukunft und
Vergangenheit, in die Realität und in die Phantasie und Magie und eine intensive
Beschäftigung mit mindestens 3 – 4 Generationen.